Grundsätze beim Kauf eines Heimkinosystems



Inhaltsverzeichnis

Allgmeine Grundgedanken
Wieviele Lautsprecher idealerweise?
Welche Lautsprecherzahl ist sinnvoll?
Welcher Art sollten die Surroundlautprecher sein
Welche Lautsprecher?
Braucht man einen Subwoofer?
Satelliten: Bassreflex oder geschlossen?
Wie groß sollte der Subwoofer sein?
Wie sieht das ideale Heimkino aus?
Zusammenfassung


Allgemeine Grundgedanken

Der wichtigste Sinn beim Menschen ist der Sehsinn. Durch ihn sind wir in der Lage, eine große Zahl an Informationen über unsere Umgebung aufzunehmen. Allerdings ist unser Sichtfeld beschränkt. Es gibt nur einen bestimmten Ausschnitt, den wir vor uns wahrnehmen. Was neben uns oder gar hinter uns ist, können wir nicht sehen, außer wir drehen uns. Durch die horizontale Anordnung der Augen haben wir obendrein ein nicht rundes oder quadratisches Sichtfeld, sondern dieses ist in die Breite gezogen. Vor allem die neuen 21:9 Filme sind gut auf unser Sichtfeld angepasst. Mehr geht nicht. D.h. rein von der Bildgröße und dem Format haben aktuelle Kinos das erreicht, was der Mensch noch wahrnehmen kann, würden die Leinwände um den Menschen herumgehen (360° Kino), dann wäre es nur sehr schwer möglich, sich auf eine bestimmte Sache zu fokussieren, da man sich dauernd drehen müsste. Von den Schwierigkeiten der Installation einer solchen Leinwand mal ganz zu schweigen.

Hingegen unser Hörsinn ist nicht in einen bestimmten Bereich eingeschränkt. Hören kann der Mensch aus jeder Richtung. Dies ist er auch von Geburt an gewöhnt. Man sieht zwar nur einen bestimmten Ausschnitt, aber hören kann man dafür in jeder Richtung.
Herkömmliche Stereosysteme können nicht mal im Ansatz diese gewaltigen Fähigkeiten der räumlichen Wahrnehmung befriedigen. Aus diesem Grund wurden auch Surroundsysteme entwickelt. Sie sollten das Wahrnehmungsfeld des Menschen ausnutzen. Dies ist vor allem bei der Wiedergabe von Filmen wichtig, zumindest wenn diese einen Anspruch auf Realismus haben. Denn im Idealfall soll ein Surroundsystem dem Hörer ein akustischen Erlebnis garantieren, welches so klingt, als wäre mal selbst vor Ort.
Wenn man sich also in einem Film in einer Kirche befindet, dann sollte auch aus allen Richtungen das typische Echo einer Kirche hörbar sein. Wenn es im Film regnet, dann sollte der „Zuhörer“ auch das akustische Empfinden haben, als würde er selbst mitten im Regen stehen.
Wenn der Film in einer Disco ist, dann sollte es für den „Zuhörer“ sinnvollerweise auch so klingen, als würde er selbst in der Disco sein. Fährt im Film ein Auto vorbei, dann erwartet man auch, dass man dieses Auto auch außerhalb des Bildes noch wahrnimmt. Dies ist der Mensch ja aus dem Alltag gewöhnt.

Im Film ist es nun so, dass die Kamera samt Kameramann dem Zuschauer die Bewegung abnimmt. Man schlüpft beim Betrachten eines Filmes also einfach in die Haut eines anderen und nimmt das wahr, was er auch wahrnimmt, wobei man selbst nicht aktiv eingreift.

Durch die heute schon recht günstig verfügbaren Beamer, sowie sehr großen Leinwänden im optimalen 21:9 Format ist man bereits auf der Seite des Sehens sehr weit fortgeschritten, durch neue HDTV Technologien werden die Fähigkeiten des Auges schon sehr weit ausgereizt und nur noch neuere Technologien mit noch mehr Auflösung, sowie eventuelle holographische Verfahren bieten hier eine gewisse Steigerungsmöglichkeit.

Beim Sound ist es aber nicht so einfach. Erstens sind die derzeitigen Technologien noch weiter davon entfernt, den Hörsinn komplett auszunutzen, des Weiteren ist es auch mit den aktuellen Soundtechniken nicht einfach, ein gutes Surrounderlebnis zu garantieren. Es müssen nämlich einige Punkte beachtet werden. Wichtig ist hier vor allem eine sinnvolle Auswahl der Lautsprecher, eine optimale Aufstellung derer, und nicht zu vernachlässigen: eine gute Raumakustik.
Erst wenn alle drei Punkte erfüllt sind, ist eine mit den derzeitigen Möglichkeiten optimale Wiedergabe möglich, wobei auch Kompromisslösungen nicht unbedingt eine deutlich schlechtere Qualität bedeuten müssen, abhängig von dem Umfang, der notwendigen Kompromisse.
Dies liegt aber vor allem daran, dass nur sehr wenige Filme/Produzenten dem Ton die richtige Beachtung schenken. Es wird viel zu oft noch sehr konservativ abgemischt, das bedeutet, dass den ehemaligen Lautsprechern eines Stereosystems zuviel Beachtung geschenkt wird, und vor allem die Surroundlautsprecher zum Teil komplett vergessen werden. Viele Filme klingen daher auch auf guten Surroundanlagen daher so, als hätte man akustische „Scheuklappen“ auf, also eine sehr unrealistische und inhomogene Wahrnehmung die absolut nicht mit dem vergleichbar ist, was man „gewöhnt“ ist aus dem Alltag.
Dennoch bringt es nix, wenn man wegen dieser konservativen Einstellung vieler Produzenten auf den guten Sound der wenigen ordentlichen Filme verzichtet.
Nachfolgend will ich daher erklären, was der optimale Weg ist und wie die Kompromissmöglichkeiten aussehen.


Wieviele Lautsprecher idealerweise?

Der Ansatz: „der Mensch hat nur zwei Ohren, daher braucht man nur zwei Lautsprecher“ ist wirklich vollkommener Schwachsinn. Grund hierfür ist die HTRF, die so genannte „Head related transfer function“, auf Deutsch: „Kopfbezogene Übertragungsfunktion“. Das bedeutet, dass der Schall abhängig von der Einfallsrichtung an der Ohrmuschel eine bestimmte Veränderung durchmacht, welche durch frequenzabhängige Beugung und Brechung an den Unebenheiten und am Kopf entsteht. Diese Veränderung ist nur sehr entfernt vergleichbar mit einem Equalizer, da durch die Beugung und Brechung sich erstens die Phase verändert, des Weiteren ändert sich aber auch die Wellenform, da bestimmte Schallanteile entweder wieder wegreflektiert werden, oder bei einigen Frequenzen sogar mehr Schall ins Ohr geleitet wird. Im Lauf des Lebens lernt das Gehirn, welche Änderungen des wahrgenommenen Signals welche Richtung bedeuten. Aus diesem Grund ist es sogar mit nur einem Ohr möglich, eine Richtung zu hören, auch wenn die Laufzeit- und Pegelunterschiede zwischen den beiden Ohren ebenfalls für das Richtungshören verantwortlich sind.

Da die HRTF bei jedem Menschen wie sein Fingerabdruck einmalig ist, ist es nur entfernt möglich, mithilfe eines Kopfhörers und bestimmten Equalizern dieses Verhalten für jeden Menschen realistisch nachzubilden.
Mithilfe von Lautsprechern ist es sogar unmöglich, da allein die Raumakustik und das Abstrahlverhalten hier teilweise so extreme Veränderungen erzeugen, das dies einfach nicht berechenbar ist.

Da das Hören mit Kopfhörern nur selten befriedigend ist (Grund ist die zum Teil fehlende Basswiedergabe, da ein nicht geringer Anteil der Tieftonenergie nicht nur über das Trommelfell wahrgenommen wird, sondern über den kompletten Schädel (Knochenleitung)), und auch nicht mehrer Leute gleichzeitig sinnvoll mit Kopfhörern hören können, sind Lautsprecher die einzige richtig sinnvolle Variante.

Wie man von seiner Stereoanlage wohl kennen wird, hat man bereits mit zwei Lautsprechern eine gewissen Ortungsmöglichkeit im Bereich zwischen den Lautsprechern. Dies ist zum größten Teil durch Lautzeitunterschiede bedingt, da ja der Schall immer den gleichen Weg nimmt. Daher ist die Ortung zwischen zwei Lautsprechern auch nie „echt“, sondern nur eine recht gute Pseudowahrnehmung.

Einige meinen jetzt, es würde ja reichen, wenn man nun noch ein weiteres Stereopaar Lautsprecher hinter sich aufstellt (genannt: Quadro). Nur rein rechnerisch passt das ja schon mal nicht: der Winkelabstand bei Stereo beträgt 60°. Stehen die Stereolautsprecher weiter auseinander, zerfällt die Ortung zwischen ihnen so langsam. Wenn man nun also mit der Zahl weiterrechnet, kommt man also auf mindestens 6 Lautsprecher, die alle mit 60° Winkelabstand um einen herumstehen. Dies ist schon von der Aufstellung her sehr vergleichbar mit einem 7.1 System ohne vorderen Centerlautsprecher.

Und in der Tat klingt so ein System aus 6 um ein herum aufstellten Lautsprechern schon ganz gut. Nur da zur Seite hin die Ortung durch Laufzeitunterschiede immer mehr abnimmt, und die Ortung durch die HRTF zunimmt, ist der also genau neben einem stehende Lautsprecher sehr schlecht: denn dieser ist fast immer allein herauszuhören und fügt sich nicht in das restliche Klangbild ein. Da es also vor allem nebem dem Hörer fast nur noch durch die HRFT zur Ortung von Signalen kommt müsste man also für jede Schallquelle einen seperaten Lautsprecher haben. Im Endeffekt kommt man dann auf ein Lautsprechersystem, dass gezielt die Schallwellen synthetisiert: IOSONO. Dieses System kann durch eine sehr hohe Anzahl an Lautsprechern, die sehr dicht zusammen platziert sind, die Schallwellen so erzeugen, als wenn sie von einer beliebigen Position im Raum kommen würden. Erst durch dieses System ist eine „echte“ Ortung möglich, da nun die HRTF eines jeden Menschen arbeiten kann.
alle anderen Surroundsysteme sind derzeit noch ein (großer) Kompromiss zu dieser Technologie, da vor allem der Installationsaufwand eines IOSONO System enorm hoch ist, ganz zu schweigen von den Kosten.


Welche Lautsprecherzahl ist sinnvoll

Wenn es möglich ist, die Hörposition mehr als 1,5-2m von der hinteren Wand entfernt zu realisieren, dann kann der Vorteil eines 7.1 Systems genutzt werden, also 4 Surroundlautsprecher, da hier ein homogenerer Surroundbereich möglich ist, der zum Teil nach hinten, aber auch zum Teil nach vorn geschlossen klingt, ohne das im 5.1 System vorhandene seitliche und hintere Loch, welches durch die gezwungenermaßen großen Winkelabstände von mehr als 60° zustande kommt. Allerdings muss die Verwendung von 4 Surroundlautsprechern nicht unbedingt bedeuten, dass diese als getrennte Kanäle angesteuert werden. Denn heutzutage sind 5.1 Quellen noch mit Abstand am weitesten verbreitet. 7.1 Sound könnte also nur mithilfe von Prozessoren berechnet werden, was teilweise sehr unterschiedlich klingen kann. Daher kann es durchaus auch sehr vorteilhaft sein, wenn man zwar 4 Surroundlautsprecher hat, diese aber rechts und links parallel angesteuert werden, sodass im Endeffekt zwar nur 2 Surroundkanäle vorhanden sind, aber durch die breitere Abstrahlung wird das gesamte Klangbild diffuser und die seitlichen und hinteren Klanglöcher sind nicht mehr so stark ausgeprägt. Dadurch ist zwar keine saubere Ortung mehr möglich, aber diese ist erstens von einigen nicht gewünscht und auch gar nicht mit dem teilweise doch sehr schlechten Quellmaterial so recht machbar.

Wenn das Ganze in einem Wohnzimmer installiert werden soll, wo die Couch die Hörposition darstellt, und diese Couch nicht von der Wand weg kann (ist in den vielen Wohnzimmern platztechnisch ja gar nicht machbar), dann ist ein System mit 2 Surroundlautsprechern/-kanälen am sinnvollsten. Durch die nun aber gezwungenermaßen sehr kurze Entfernung zu den Surroundlautprechern hat man aber fast immer eine direkte Ortbarkeit dieser beiden Lautsprecher. Hier gibt es zwei Möglichkeiten zur Abhilfe: entweder man installiert ähnlich zu einem IOSONO sehr viele kleine Lautsprecher parallel an der Rückwand, oder man nutzt Dipollautsprecher, welche aber auch einen gewissen Abstand zur Rückwand benötigen.



Welcher Art sollten die Surroundlautsprecher sein?

Grundsätzliche Funktionsweise:

Dipollautsprecher:
Hochtöner und Mitteltöner sind doppelt vorhanden und gegenüberliegend auf zwei Seiten vom Gehäuse montiert. Die Signale werden phaseninvertiert abgegeben. Da sich zwei Signale, welche sich überlagern und je eine invertierte Phase haben, auslöschen, hat der Dipol seitlich zu den beiden Abstrahlrichtungen eine Zone, in denen kein Schall hörbar ist. Dafür strahlt er in beide Richtungen des Raumes ab. Da nun seitlich vom Dipol kein Schall hörbar wird, hört man am Hörplatz fast ausschließlich den Schall von Reflektionen im Raum, welche hauptsächlich aus Richtung hintere Raumecke und vordere Raumecke kommen. Insgesamt ist der Klang aber kaum ortbar, da sehr viele Reflektionen zum Hörer kommen, wodurch ein relativ geschlossenes Klangbild entstehen kann.
Da aber die Reflektionen der Hauptteil vom dem sind, was man hört, ist das Gehörte auch nicht mehr Originalgetreu, weshalb solche Lautsprecher fast nur für raumfüllende Wiedergabe von Filmsound geeignet sind, nicht aber für Musik in Mehrkanal (entweder Stereomusik durch Dolby ProLogic IIx Music auf Mehrkanal aufgemischt, oder diskrete Mehrkanalmusik).
Vorraussetztung: Der Raum sollte im Aufbau relativ symmetrisch sein. D.h. links und rechts sollten ähnliche Bedingungen herrschen, bezogen auf die Reflektionsflächen. Ideal für die Nutzung von Dipolen sind links und rechts zwei kahle Wände, sowie einer nicht zu weit entfernten Rückwand, hingegen einer deutlich weiter entfernten Vorderwand. Es ist angebracht, den Hörplatz auf der für Raummoden günstigsten Hörposition auf 38% Raumlänge vor der Rückwand zu sitzen, und die Dipole genau links und rechts neben sich an der Wand zu haben.
Sollte man näher an der Rückwand sein, wird es immer schwieriger mit einem sauberen Surroundbild. Direkt an der Rückwand sitzend ist es beispielsweise nicht mehr sinnvoll, da nun durch die direkte Nähe zur Rückwand die Reflektionen und die Abstrahlung des Dipols nicht mehr funktionieren, und daher der Dipol sich ähnlich verhalten kann wie ein Direktstrahler.

Hier eine Veranschaulichung der Wirkungsweise eines Dipoles, dabei soll die Farbe vom Licht darauf hinweisen, dass es nicht mehr ganz original ist. Weißes Licht bedeutet lineares Signal, und je farbiger und dunkler das Licht wird, desto mehr ist auch der Klang verfärbt.



Bipollautsprecher:
Identischer Aufbau wie beim Dipol, nur dass beide Seiten phasengleich arbeiten. Dadurch löscht sich der Schall neben dem Lautsprecher nicht aus, so wie beim Dipol, wodurch der Hörer auch einen gewissen Direktstrahlanteil abbekommt. Da nun aber vor allem Hochtöner eine meist gebündelte Abstrahlung haben, würde im Direktstrahlanteil wenig Hochton enthalten sein. Aus diesem Grund haben viele Bipollautsprecher zwei angewinkelte Seiten, meist im 45° Winkel, sodass der Direktschallanteil relativ verfärbungsfrei ist. Allerdings geben Bipole den Schall in alle Richtungen ab, wodurch sie die gleichen Reflektionen erzeugen wie ein Dipollautsprecher. Insgesamt erhält man dadurch ein etwas direkteres Klangbild, wie beim Dipol, der Lautsprecher kann aber auch vor allem in 5.1 Anordnungen ortbar werden. Es ist daher stark davon abzuraten, einen Bipol seitlich neben dem Hörer zu platzieren, da durch die stark HRTF abhängige Ortung der Bipol deutlich herauszuhören wäre. Bipole sollten aus diesem Grund möglichst so platziert werden, wie direktstrahlende Lautsprecher in der jeweiligen Anordnung, mit dem Unterschied, dass ein Bipol direkt an die Wand montiert werden muss.
Ein Bipol ist dann sinnvoll, wenn man keine guten Bedingungen für Dipole hat (z.B. Sitzposition zu nah an der Rückwand, oder auf einer Seite des Raums eine offene Wand, oder gar keine Wand (z.B. ein Heimkino in der rechten Raumhälfte). Vorallem bei einer Sitzposition nah zur Rückwand lässt sich mit 5.1 ein relativ gutes Ergebnis erzielen, indem die Bipole jeweils in den Ecken platziert werden, bzw, wenn diese zu weit entfernt sind, an der Rückwand zum Hörer mit etwas Abstand zur Hörposition (wenn möglich näher an der Seitenwand, als am Hörer, damit die Reflektionen von der anderen Seite des Bipoles nicht zu leise werden).

So ungefähr sieht es aus, wenn ein Bipol an der Rückwand montiert ist. Wie man sieht, ist die Abstrahlung nicht mehr ganz so homogen


direktstrahlender Lautsprecher:
herkömmlicher Lautsprecher, die Chassis sind alle auf einer Seite des Gehäuses montiert (ausgenommen Tieftöner bei einigen Ausnahmen).
Der Schall wird hauptsächlich nach vorn abgestrahlt und je nach Abstrahlverhalten zum Teil zur Seite und nach hinten. Diese Lautsprecher finden vor allem im vorderen Bereich Verwendung.
Ihr Hauptvorteil gegenüber den Multipolen ist, dass am Hörplatz bei sauberer Ausrichtung ein relativ sauberer Frequenzgang ankommt. Allerdings gibt es keinen Lautsprecher auf der Welt, der ausschließlich nach vorne abstrahlt, sondern je nach Bauweise gibt es ein frequenzabhängiges Rundstrahlverhalten. Meist ist es so, dass die tiefen Töne überall hin abgestrahlt werden und ab einer bestimmten Frequenz nimmt der nach hinten und zur Seite abgegebene Schallanteil immer mehr ab, oft nicht linear. Dadurch erhält man von den Seitenwänden und von der Vorderwand/Rückwand verfärbte Reflektionen, die sich mit dem direkt abgegebenen Schallanteil überlagern und diesen verändern. Dieser Effekt wird bei Dipolen und Bipolen absichtlich in Kauf genommen.
Da nun vor allem die hohen Frequenzen mehr gebündelt in eine Richtung abgestrahlt werden, gibt es weniger diffuse Reflektionen, die den Raumeindruck erhöhen würden. Dadurch ergibt sich aber auch das weiter oben angesprochene Problem, das vor allem bei 5.1 Systemen mit nur 2 Surroundlautsprechern seitlich und hinter dem Hörer ein Klangloch entsteht (zu großer Winkelabstand, großer Einfluss der HRTF auf die Ortung von der Seite).
Aus diesem Grund empfiehlt es sich, mehrere gleichartige Lautsprecher parallel zu betreiben. Durch die gemeinsame Schallabstrahlung ist es für das Ohr nicht mehr möglich, die Geräusche genau zu lokalisieren und es ergibt sich ein räumlicherer Eindruck. Für ein geschlossenes Klangbild mit direktstrahlenden LS wären pro Seite 2-4 Lautsprecher mindestens notwendig, welche gleichmäßig und mit möglichst identischem Abstand zum Hörplatz platziert werden.
Direktstrahlende Lautsprecher sollten aber nur dann verwendet werden, wenn entweder der Raum nicht geeignet ist für Multipollautsprecher, oder wenn Wert auf hochwertige Wiedergabe gelegt wird (Mehrkanalmusik). Für direktstrahlende Lautsprecher ist es wichtig, dass ein großer Wandabstand vorhanden ist. Vorallem also, wenn der Raum nach hinten und/oder zu den Seiten offen ist.
Desweiteren wäre es wichtig, dass bei direktstrahlenden Lautsprechern die ersten Reflektionen bekämpft werden mithilfe von Absorbern und/oder Diffusoren, wobei der massive Einsatz von Absorbern in einem Heimkino so oder so das beste ist, denn Surround erzeugt seine eigene Akustik, weshalb jeglicher Nachhall stören würde.

Die wäre ein 5.1 System mit zwei Direktstrahlern hinten. Man sieht gleich, dass ein raumfüllender Eindruck nicht möglich ist, da der nach hinten abgestrahlte Anteil in Verfärbung und Pegel zu gering ist, um hörbar zum Raumeindruck beizutragen, er verfärbt nur das Originalsignal etwas




"SurroundArray" und LineArray
Jeder kennt wohl das Problem, wenn mehrere Leute im Wohnzimmer einen Film schauen wollen: jeder hört den Surround komplett anders. Der eine hört eher nur den einen Lautsprecher und der andere hört vllt sogar nur einen SurroundlS und den dafür zu laut.
Oder auch das Problem von vielen Wohnzimmern: die Couch steht an der Rückwand...und da ja hinter einem die Wand ist, bleibt die Frage offen: wie bekommt man da echten Surround hin? Auf normalem Weg gar nicht. Man kann die Lautsprecher wie BiPole oder Direkstrahler zwar direkt an die Rückwand bringen, aber der Sound kommt im Endeffekt doch immer nur von einer Seite. Und noch schlimmer: an jeder Position auf der Couch klingt es anderst, nur in der Mitte hat man einigermaßen Surroundsound.
Doch in Kinos funktioniert es ja auch einigermaßen, dass man an jedem Hörplatz einigermaßen gleichen Surroundsound hat, nur wie geht das?

Dazu schauen wir uns das Prinzip eines LineArrays mal näher an:
ein LineArray ist auf Deutsch eine "Lautsprecherzeile". Also sehr viele IDENTISCHE Lautsprecher, die so dicht wie möglich beisammen liegen. Durch den geringen Abstand von wenigen cm erreicht man nun eins, dass nich wie bei herkömmlichen LS eine Kugelwelle abgestrahlt wird, sondern sich die einzelnen Schallwellen von allen Chassis kohärent überlagern und dadurch eine große Schallwelle in Form eines Zylinders entsteht.
Dieser Zylinderwelle hat den Vorteil, dass auf der gesamten Breite von dem LineArray die Lautstärke nur mäßig abnimmt. In die Abstrahlrichtung vom LA hat man also einen sehr geringen Pegelverlust über die Entfernung und es ist vorallem über die gesamte Breite ein vollkommen gleiches Signal zu hören. Der Effekt wegen der geringen Pegelabnahme wird sich z.B. bei Beschallungsanlagen zunutze gemacht, bei denen man fast immer solche großen Lautsprecherketten sieht, die neben der Bühne runterhängen...das sind solche LineArrays in groß. Damit halt auch die Zuschauer hinten den gleichen Klangeindruck haben wie die Zuschauer vorn.
Im Kino ist dies auch von Vorteil, weil so kann man erreichen, dass man auf beiden Seiten der Couch einen ähnlichen Pegel von links und rechts hat und man somit auch rechts außen auf der COuch noch was vom linken Surround hört.
Aber auch für den hinteren Kanal ist dies sehr vorteilhaft, weil ein LineArray braucht nochmalerweise nur eine geringe Breite und so kann man es auch shcön hinter der Couch verstecken und dafür sorgen, dass man bei geringem Wandabstand der Couch trotzdem echten Surroundsound hat, der vorallem von jedem Platz der Couch aus identisch klingt. Für jeden auf der Couch klingt es bei einem Signal, das von hinten mitte kommen soll auch so, als würde es von direkt hinter ihm kommen.

Wie schaut so ein LineArray aus, das man hinter der Couch verstecken kann?



wie man auf dem oberen Bild erkennt, kann so ein LineArray hinter der Couch nicht die seitlichen Lautsprecher ersetzen, es sorgt nur dafür, dass man ein komplett geschlossenes Surroundbild hat und dies vorallem für jeden auf der Couch gleich klingt.

So ein LineArray gibt es auch im HiFi Bereich nicht fertig zu kaufen, die meisten Schallzeilen in diesen Abmessungen sind meist für einfache Beschallungen gedacht und haben eine sehr miese Übertragungsqualität. Man müsste also sich so ein Array selbst bauen: dies ist aber kein Problem, das hier kein großen Kenntnisse im Lautsprecherbau benötigt werden, so ein Array ist im Prinzip nur ein langer Holzkasten, der einigermaßen die Breite der Couch abdeckt und in den dann gleichmäßig verteilt 8 Breitbandlautsprecher, wie z.B. die Visaton FRS 5 8Ohm. Diese Lautsprecher benötigen keine Frequenzweiche und kommen in einem geschlossenen Gehäuse bis 200Hz herunter, was mehr als ausreichend für Surroundeffekte ist. Die sehr kleinen 5cm Breitbänder empfehle ich deshalb, weil man damit erstens sehr schmal bauen kann und weil sie vorallem durch ihre geringe Größe eine sehr gute Hochtonwiedergabe haben...bei größeren Breitbändern hat man da schon Resonanzen usw im Hochton.

Für das SurroundArray an den Wänden kann man theoretisch aber auch normale Lautsprecher verwenden, siehe z.B. dieses Posting:
Vorstellung von fusions Anlage
Mein Grund, warum ich Breitbänder empfehle ist eben nur folgender: 12 kleine Lautsprecher sind im Normalfall schon recht teuer und je nach Ausführung auch groß. Bei einem Selbstbau mit Breitbändern hat man erstens keinen Aufwand mit dem Erstellen einer Frequenzweiche, man kann das Gehäuse so bauen, wie man es selbst benötigt, bzw wie es am besten in dem eigenen Wohnraum passt, und vorallem ist es mit den Visaton Breitbändern extrem günstig, sobald man bessere LS nehmen würde, geht der Preis exponentiell in die Höhe, wegen der großen Anzahl.
Weiterhin sind Breitbänder sinnvoll an den Seiten, wenn man die Couch an der Rückwand stehen hat und dahinter ein LineArray bauen will, dies geht nur sinnvoll mit kleinen Breitbändern, alles andere wäre extrem aufwändig. Und damit es klanglich mit dem LineArray hinter der Couch harmoniert, sollten an den Seiten die gleichen Chassis verwendet werden.
Bei Unklarheiten, welche Lautsprecher im eigenen Raum am sinnvollsten wären, am besten in meinem Forum fragen, da können wir dann eine persönlich optimale Lösung finden.


Wie werden die Chassis jetzt angeschlossen? Auch ganz einfach an den SurroundBack Ausgang der Surroundanlage und es reicht auch ein Kabel für das Array. Intern werden die Chassis so verschaltet, dass je 2 parallel verschaltet werden und die beiden 2er Gruppen werden dann in Reihe geschaltet:

Somit kommt man auf eine Gesamtimpededanz von minimal 4 Ohm und da durch den geringen Abstand eh nur wenig Leistung benötigt wird (bei 1W Eingangsleistung dürften die Haare schon weggeföhnt werden), kann man da ohne Sorge sogar einen sehr kleinen 6.1 Verstärker verwenden, der vllt nur 50W oder so auf dem Surroundkanal bringt. Das reicht definitiv locker für Pegel aus, die schmerzhaft sind.




Bei dem oberen Bild ist an der Seite schon das "SurroundArray" zu sehen, es ist kein richtiges LineArray mehr, weil die Abstände zwischen den Chassis zu groß für die kohärente Überlagerung sind, aber erzielt durch den Aufbau einen sehr diffusen Klangeindruckt, der eine ernorme Räumlichkeit vermittelt und der eine komplett geschlossenes 360° Kulisse erzeugen kann, wo es kein Klangloch zwischen vorn und hinten usw gibt.
Im Endeffekt sind es 4 kleine Breitbänder (ebenfalls die Visaton FRS 5 oder ähnlich) in einzelnen Gehäusen mit 2L Voluem oder so, die dann links und rechts neben der Couch an der Wand montiert werden, die Abstände sollten dabei so gewählt werden, dass beim sitzen auf der Couch der erste Lautsprecher noch deutlich zu sehen ist, wenn man gerade aus schaut und die hinteren sollten dann spiegelbildlich zu einer Achse quer über den Hörplatz verlaufend:


Wenn die Couch idealerweise an der 38% Position im Raum von der RÜckwand aus gemessen steht, dann sollte man an der Rückwand ebenfalls ein solches Array einsetzen, wobei hier die beiden äußeren Lautsprecher ein etwas breiteres Stereodreieck zum Hörplatz bilden sollten, also ca. 75° Winkelabstand mit dem Hörplatz als Mittelpunkt.
Im Endeffekt würde das ganz dann so aussehen:



Welche Lautsprecher?

Vor allem durch das Hören von Stereomusik sind viele Menschen an zwei große Standboxen gewöhnt und würden wahrscheinlich gerne auch Standboxen weiter verwenden.
Allerdings stellen sie nicht unbedingt das Optimum für ein Heimkino dar.

In einem Surroundsystem ist es so, dass normalerweise jeder Lautsprecher gleichwertig betrachtet wird, da die Geräusche ja aus jeder beliebigen Richtung kommen könnten. Da nun Geräuschquellen nicht immer still an einem Fleck stehen, sondern sich auch mal bewegen können, würde dadurch ein anderer Lautsprecher benutzt als vorher. Sobald nun aber ein Lautsprecher schon eine andere Gehäuseform hat, geschweige denn eine andere Bestückung mit Chassis, klingt dieses Geräusch nicht mehr so wie auf dem alten Lautsprecher. Dies wird vor allem bei Szenen wie z.B. mit überfliegenden Hubschraubern, oder vorbeifahrenden Autos (insofern der Tonmeister richtig gearbeitet hat und diese auch auf den Surrounds genauso abgemischt sind wie auf den vorderen Lautsprechern) deutlich. Daher sollte eigentlich klar sein, dass im Idealfall alle Lautsprecher in einem Surroundsystem baugleich sein sollten, damit sie auch gleich klingen. Natürlich können nun z.B. 7 Standlautsprecher verwendet werden, aber spätestens beim Centerlautsprecher werden nun einige ein Problem bekommen. Weil der ideale Centerlautsprecher ist der, der identisch gebaut wie die vorderen linken und rechten Lautsprecher ist. Aufgrund der meist extremen Tieftonbelastung wäre eine Standbox als Center also durchaus das beste, was man machen kann.
Nur aufgrund der Verwendung von TVs ist das selten machbar, weshalb die Hersteller spezielle Centerlautsprecher entwickelt haben, die man quer unter den TV legen kann. Diese klingen allerdings sogut wie nie genauso wie die vorderen beiden Lautsprecher.
Aus diesem Grund bietet es sich auch an, Kompaktboxen zu verwenden, da diese meist ohne Probleme unter oder über einen TV gestellt werden können. Denn der Hauptnachteil eines liegenden Centerlautsprechers ist dieser: fast immer sind sie als d’Appolito Ausführung gebaut, bedeutet: ein Hochtöner in der Mitte und und zwei Tiefmitteltöner links und rechts davon. Durch die zwei TMTs wird der Schall zwischen den beiden TMTs gebündelt, sodass man nur auf Achse (also senkrecht vor dem Lautsprecher) den korrekten Frequenzgang hat, Wenn man sich hingegen nach links oder rechts bewegt, dann bewegt man sich aus der gebündelten Zone heraus und der Frequenzgang ändert sich. Aus diesem Grund ist es sinnvoller, wenn der Centerlautsprecher aufrecht steht, dadurch erfolgt diese Bündelung in der vertikalen, in welcher man sich normalerweise nicht bewegt (es sei denn, man schaut gerne im Stehen).
Deshalb sind auch Kompaktboxen, die man über oder unter den TV stellt, gut. Diese sollte man allerdings auf keinen Fall legen, denn bei herkömmlichen Kompaktboxen, die nicht mit zwei symmetrisch angeordneten TMTs arbeiten (also keine d’Apollito Lautsprecher), führt das zu einer unscharfen Ortung, da unser Gehör durch die Anordnung auf der horizontalen Ebene entsprechend sehr präzise links/rechts Orten kann, nicht aber oben/unten. Daher können auch mehrere Chassis auf einem Lautsprecher übereinander angeordnet werden, ohne dass die Ortungsschärfe deutlich abnimmt.



Notwendigkeit eines Subwoofers

Diese Frage ist fast uneingeschränkt mit „Ja“ beantwortbar, da es definitiv keinen Lautsprecher auf der Welt gibt, der uneingeschränkt „basstauglich“ für ein Heimkino ist (bei gehobenem Anspruch). Ausnahme sind eher Heimkinos oder gar Wohnkinos, wo hoher Pegel und/oder der volle Tiefgang keine so große Rolle spielen und daher auf ein Teil vom Bass verzichtet werden kann.
Wenn man aber den möglichst vollen Frequenzumfang eines Filmes genießen will, dann ist ein Subwoofer unumgänglich. Vorallem der Centerkanal wird zum Teil mit extrem tiefen Frequenzen belastet, die (zwar selten) ab und an sogar deutlich unter 20Hz mit viel Pegel gehen. Das schaffen nur die wenigsten der größten Standboxen, von den dedizierten Centerlautsprechern kommt aber keiner unter 40Hz drunter, was weit über dem liegt, was an Toninformationen vorhanden ist. Aus diesem Grund muss bei Anspruch auf vollständige Wiedergabe mindestens der Centerlautsprecher als „Klein“ definiert werden, um dessen Bassanteil auf den Subwoofer umzuleiten (der dann allerdings mehr belastet wird).
Da auch die vorderen beiden Kanäle zum Teil extrem tiefe Frequenzen beinhalten, trifft das Ganze fast immer auch auf die diese zu.

Allerdings gibt es gerade zu diesem Thema extrem viel zu beachten, dies betrifft insbesondere das Zusammenspiel von den so genannten „Satelliten“ (die Effektlautsprecher, aus denen Sprache, Musik usw kommt), sowie dem Subwoofer (der für alle tiefen Frequenzen zuständig ist). Aber auch das Zusammenspiel der Tieftoneinheiten mit dem Raum ist enorm wichtig und beeinflusst sehr viel.

Der wichtigste Punkt überhaupt für die nachfolgenden Hinweise ist folgender:
In den meisten üblichen Räumen hat man so genannte Raummoden. Was sie sind und wie man sie verhindern kann, habe ich umfangreich in meinem Raumakustikteil beschrieben. Hier soll es eher darum gehen, dass es oft mit einem Subwoofersystem einfacher ist, diese Raummoden zu bekämpfen, als mit den Satelliten.
Genau aus diesem Grund sollte man möglichst gleichartige Satellitenlautsprecher wählen, die für die Raumgröße nicht zu groß dimensioniert sind und lässt durch die Bassumleitungsfunktionen des Receivers die Bassanteile der Lautsprecher unterhalb der geeigneten Raumfrequenz an das Subwoofersystem leiten, welches dadurch allerdings zusätzlich belastet wird.

Die Satellitenlautsprecher sollten nun deshalb nicht den gesamten Bassanteil ihres Kanals übernehmen, da jeder Lautsprecher an seiner Position die Raummoden auf seine eigene Art und Weise anregt. Dadurch ändert sich z.B. ein vorbeifahrender, tief tuckernder V8 von vorn in einen hell klackernden V6 hinten. Wenn man nun ab der Frequenz, ab der die Raummoden anfangen, alles auf den Subwoofer umleitet, dann wird der Bassbereich immer gleichartig angeregt, egal von welchem Lautsprecher das Signal gerade kommt. Und des Weiteren kann mit einem Subwoofersystem, welches eine Raumkorrektur eingebaut hat, auch noch der Frequenzgang angepasst werden, sodass der Bassbereich immer sauber ist, egal von welchem Lautsprecher der Bass eigentlich kommen sollte.

Wo die Trennfrequenz liegt, ermittelt man anhand der kleinsten horizontalen Raumabmessung. Zu dieser ermittelt man die Frequenz der zweiten Raummode und rechnet das mal 2. In einem 4*5m breiten Raum kommt man so auf 160Hz, was zum Teil schon recht hoch klingt. In meinem Raumakustikteil hab ich aber auch ganz unten beschrieben, durch was Subwoofer ortbar werden können. Wenn man dementsprechend seinen Subwoofer aufstellen kann, sollte es also keine Probleme geben. Für so eine Frequenz wäre es also erforderlich, dass das Subwoofersystem vorne symmetrisch in der Mitte steht (bei sinnvollerweise zwei Subwoofern würden diese also jeweils 1/4 Raumbreite von den Seitenwänden entfernt stehen).
Jedenfalls können für so eine Trennfrequenz relativ kleine 2 Wege Lautsprecher gewählt werden, welche im besten Fall ein geschlossenes Gehäuse haben.


Satelliten: Bassreflex oder geschlossen?

Bassreflex hat sich in den letzten Jahren immer mehr etabliert, da es eine günstige Möglichkeit darstellt, den Frequenzgang eines Lautsprechers nach unten zu erweitern. Immerhin verdoppelt sich im Idealfall der mögliche Schalldruckpegel im unteren Frequenzbereich so, als wenn doppelt soviele Tieftöner vorhanden wären.
Allerdings handelt man sich durch diese kostengünstige Schalldruckerhöhung einige Nachteile ein:
Erstens kann es bei zu kleiner Auslegung des Bassreflexsystems zu hörbaren Strömungsgeräuschen kommen. Abhilfe schaffen hier optimierte Rohre oder passive Membrane.
Zweitens sinkt unterhalb der Abstimmungsfrequenz des Bassreflexsystems die Belastbarkeit rapide, denn da unterhalb dieser Frequenz keine Federwirkung mehr durch die Luftmasse im Bassreflexrohr wirkt, kann sich die Luft zwischen Gehäuseinneren und Außen ungehindert austauschen, wodurch die Membran sich ähnlich verhält, als wenn sie ohne Gehäuse betrieben würde, was dann bei sehr tiefen Frequenzen dazu führt, dass sie mechanisch überlastet wird (Schwingspule schlägt an, oder Sicke reißt). Dies kann aber durch mehrer Maßnahmen verhindert werden: ein so genannter Subsonic (Hochpass) filtert alle Frequenzen unterhalb der Abstimmungsfrequenz heraus, sodass diese nicht zum Tieftöner gelangen können. Des Weiteren gibt es Tieftöner mit so genannten Induktionsbremsen, das sind Metallringe in der Schwingspule, die normalerweise außerhalb vom Magneten liegen. Wenn sie bei zu hoher Auslenkung in das Magnetfeld eintreten, wird ein Strom induziert, der wiederum ein Magnetfeld erzeugt, dass seiner Ursache entgegenwirkt. Außerdem wird dieses Problem der hohen Auslenkung bei zu tiefen Frequenzen durch passive Membrane verhindert. Denn diese haben selbst eine Grenze der Auslenkung, wodurch sich der Luftdruck nicht ausgleichen kann.
Dritter Nachteil von Bassreflexsystemen ist eine Erhöhung der Gruppenlaufzeit. Denn da ein Bassreflexport ein Feder-Masse System ist, welches eine bestimmte Resonanzfrequenz hat (bei dieser Frequenz reicht wenig Energie zur Anregung aus, braucht dieses System eine bestimmte Zeit, eh es angeregt ist. Während der Tieftöner also schon den Schall abgegeben hat, muss die Luftfeder im Bassreflex erstmal sich einschwingen. Erst dann gibt sie auch Schall ab, der dann verzögert zum Originalschall wiedergeben wird. Dies führt zu einer unpräziseren Wiedergabe.

In Stereosystemen, in denen kein Subwoofer zum Einsatz kommt, kann Bassreflex schon eine günstige Möglichkeit sein, kostengünstig Pegel und Tiefgang im Bassbereich zu bekommen. Da in einem Heimkino allerdings eh ein Subwoofer zum Einsatz kommt, gibt es hier keinen wirklichen Grund mehr, warum die Satelliten noch viel Tiefgang und Pegel im Tiefbassbereich besitzen müssen. Vorallem wenn man einen kleinen Raum hat, in dem man eine relativ hohe Trennfrequenz benötigt.
Außerdem gibt es noch einen weiteren wichtigen Grund für ein geschlossenes Gehäuse:
Das Bassmanagement in aktuellen Receivern ist normalerweise mit 24dB/oct Tiefpässen für den Subwoofer und 12dB/oct Hochpässen für die Satelliten ausgerüstet. Es wird nämlich davon ausgegangen, dass der Subwoofer bei seiner Trennfrequenz noch eine Weile linear weiter nach oben spielt. Daher wird mit einem 24dB Filter getrennt, damit er möglichst früh aufhört zu spielen. Bei den Satelliten wird aber davon ausgegangen, dass sie um die Trennfrequenz herum selbst schon langsam aufhören zu spielen. Bei einem geschlossenen Gehäuse ist es nun so, dass ab einer bestimmten Frequenz der Lautsprecher immer um 12dB/oct leiser wird. Ein akustischer 12dB Hochpass also. Wenn man nun im Receiver die Trennfrequenz auf ungefähr die untere Frequenz des Satelliten einstellt, dann addieren sich beide Filter auf 24dB/oct, wodurch die Satelliten nach unten hin den gleichen Lautstärkeabfall haben, wie der Subwoofer, was für einen sauberen Übergang sorgt. Würde man Bassreflexsysteme in den Satelliten haben, dann ist dies nicht mehr der Fall, denn ein Bassreflexsystem ist ein akustischer Hochpass mit 24dB/oct, was zusammen mit dem Receiver dann zu einem Filter von 36dB/oct führt. Des Weiteren sind Bassreflexlautsprecher meist so tief abgestimmt, dass die Trennfrequenz im Receiver höher ausfällt, wodurch der Frequenzgang vom Satelliten zu spät anfängt, richtig abzufallen, wodurch es in einem bestimmten Frequenzbereich eine Pegeladdition zwischen Subwoofer und Satellit gibt.

Da es am Markt sehr wenige geschlossene Lautsprecher gibt, und die meisten Lautsprecher einen Bassreflexsystem integriert haben, ist es auch möglich, einen Bassreflexlautsprecher zu nehmen, und bei diesem das Bassreflexloch luftdicht zu verschließen. Dabei bietet sich Schaumstoff an, da er sich gut einführbar ist und sich dicht an die Wände anschmiegt und durch seine hohe innere Oberfläche effektiv den Luftaustausch verhindert. Ein so verschlossener Bassreflexlautsprecher verliert natürlich einiges an Tiefgang, selten aber mehr als eine Oktave. Wenn der Lautsprecher vorher also bis 40Hz gespielt hat, wird er nach der Maßnahme um die 60-70Hz als untere Frequenz aufweisen. Nachteile handelt man sich durch diese Aktion im Normalfall nicht ein. Lediglich die mechanische Belastbarkeit ändert sich, da nun im Bereich der Abstimmfrequenz des früheren Bassreflexsystems das Chassis deutlich mehr Hub machen muss und bei sonst noch ungefährlichen Pegeln könnte es nun schon zu einer mechanischen Überlastung kommen. Daher sollte so einer Änderung nur dann gemacht werden, wenn der Lautsprecher eh im Receiver bei einer bestimmten Frequenz getrennt wird und somit weniger Tieftonpegel anliegt.


Wie groß sollte der Subwoofer sein?

Grundsätzlich gilt: selbst der größte Subwoofer passt fast immer zu einem noch so kleinen Lautsprecherset. Hingegen umgedreht passt nicht jedes Lautsprecherset zu jedem Subwoofer.
Weil es ist so, dass es nach unten eigentlich keine echte Grenze gibt. Solange der Subwoofer ausreichen hoch spielen kann, ohne Probleme, kann man sogar sehr kleine Satelliten mit ihm kombinieren. Das allererste, was beachtet werden sollte, ist der gewünschte Tiefgang. Denn echte 16Hz mit ausreichend Pegel wiedergegeben sind ein unvergleichliches Erlebnis, erfordern allerdings schon fast einen gigantischen Aufwand. Außerdem werden gerade solche tiefen Frequenzen fast ungehindert in einem Haus weitergeleitet. Wenn man also in einem Mehrfamilienhaus lebt, würde man mit einem 16Hz Subwoofer sehr schnell den Hausfrieden gefährden, auch wenn man nur mit wenig Pegel hört.
Bevor man nun also den Subwoofer auswählt, muss man wissen, wie tief man es wünscht, wie laut er spielen können soll und wie groß der zu beschallende Raum ist. Wenn man 16Hz mit richtig fühlbaren Pegel in einem >150m² Raum beispielsweise haben will, dann sollte man sich schon mit einem großen 5-stelligen Betrag anfreunden, und dem Platzverlust für 4-16 sehr große Subwoofer mit 38-53cm großen Tieftönern.
Wenn man hingegen in einem Mehrfamilienhaus wohnt und eigentlich nur ab und an mal einen Film sehen will, ohne absoluten Tiefgang und das Spüren von sämtlichen Erschütterungen usw., dann reicht hingegen auch schon ein kleiner Subwoofer mit 25cm Membran, der bis 40Hz runtergeht. Damit ist allemal schon eine brauchbare Wiedergabe möglich, solang es nicht deutlich über Zimmerlautstärke hinausgeht.

Wichtig ist aber auch zu wissen, wie viele Subwoofer es werden. Denn es gilt immer die Regel: je mehr (gleiche!) Subwoofer in einem Raum, desto besser die Wiedergabe. Und je mehr Subwoofer es werden, desto weniger muss am Ende ein einzelner leisten können, da sich die Leistungen addieren und mit jeder Verdoppelung der Subwooferzahl auch eine Verdoppelung (6dB) des möglichen Pegels einhergeht.

Bei der Aufteilung des Budgets sollte zumindest auf keinen Fall am Subwoofer gespart werden. Klanglich ist es in den meisten Fällen besser, wenn auf einen teueren DVD Player verzichtet wird (der Preisgünstige kann es genauso gut), oder auch auf einen teuren Receiver.
Ein angemessener Subwoofer kostet durchschnittlich mindestens soviel, wie alle Satellitenlautsprecher zusammen. Besser noch mehr, als weniger. Am Ende macht es sich vor allem durch ein harmonischeres Klangbild bemerkbar, denn ein „zu guter“ Subwoofer fügt sich immer sauber ins Klanggeschehen ein, hingegen ein Subwoofer mit „zu guten“ Satelliten schafft es kaum, sich sauber zu integrieren und fällt daher störend auf.

Wichtig ist die Geldaufteilung vor allem in den unteren Preissegmenten, so unter 2000-10000€ für das gesamte Set. Je weniger das gesamte Set kostet, desto höher sollte der Anteil für den Subwoofer ausfallen. Bei 2000€ beispielsweise sind 800-1000€ angemessen für den Subwoofer, und der Rest für Satelliten und Receiver (dabei dann >600€ Satelliten und <400€ Receiver).


Wie sieht das ideale Heimkino aus?

Dieses würde aus mehreren hundert kleinen Satellitenlautsprechern bestehen (alles Direktstrahler), welche kreisförmig um den Hörer angeordnet sind (in einem durch massiven Absorbereinsatz möglichst reflektionsfreien (schalltoten) Raum). Alle Lautsprecher würden über einen „IOSONO“ Controller, wie er vom Frauenhofer Institut entwickelt worden ist, angesteuert werden. Der Subwoofer ist ein Double Bass Array, welches aus >16 Tieftönern pro Seite besteht.
Aktuell wäre eine Ansteuerung mit dem vorhanden 5.1 Material nicht sehr befriedigend, da das System die 5 Kanäle ja nur fest verteilen könnte (allerdings könnte man durch das Prinzip der Wellensynthese virtuelle Lautsprecher erzeugen, die man beliebig weit im Raum verteilt, mit beliebig breiter Abstrahlung, sodass wenigstens ein großer räumlicher Klang erreicht werden würde).
Die richtig sinnvolle Ansteuerung wäre allerdings mithilfe von vektoriell vorgegebenen Monosounds, die erst durch den Controller ähnlich zum EAX auf die realen Lautsprecher verteilt werden. Dies ist derzeit schon lange möglich, seit der Einführung von EAX bei Computersoundkarten. Dadurch kann eine beliebige Anzahl von Lautsprechern angesteuert werden, wobei den Spieledesignern nicht bekannt sein muss, wie viele Lautsprecher vorhanden sind, und wo diese stehen. Denn erst der Controller würde berechnen, welcher Lautsprecher was wiedergeben müsste, damit es an der Hörposition so klingt, wie es die virtuelle Schallquelle vorsieht.
Wenn die Entwickler von Dolby und DTS was drauf hätten, hätten sie ihre nächsten Tonformate auch genau so entwickelt. Denn dadurch hätten die Tonmeister wesentlich leichtere Arbeit, da sie sich nun keine Gedanken mehr um die Lautsprecher machen müssten. Sie würden einfach vorgeben, aus von welcher Position in einem virtuellen Raum aus was für ein Geräusch kommt, und der Controller im Receiver würde dass dann auf das aktuelle Lautsprecherset umrechnen, welches eine beliebige Anzahl an Lautsprechern haben kann (min. das aktuelle 5.1 wäre aber schon noch notwendig für Surround).
Dadurch wären die Tonformate auch wesentlich offener und keiner müsste mehr sich gedanken machen, wie er eine feste Anzahl von Lautsprechern unterbringt, sondern er könnte frei entscheiden, was für Lautsprecher er nimmt und wo er sie platziert. Technisch ist das alles schon längst Realität bei Computerspielen. Wäre also nur zu hoffen, dass diese (den aktuellen Surroundtechnicken von Dolby und DTS extrem weit überlegene und dennoch leicht zu realisierende) Technologie nicht zu lange auf dem Heimkinomarkt auf sich warten lässt.


Je weniger Lautsprecher verwendet werden, desto schlechter wird das gesamte Raumgefühl und die Ortbarkeit von Geräuschquellen. Um das Raumgefühl durch zu wenige Lautsprecher nicht zu schlecht wirken zu lassen, gibt es die Dipollautsprecher, welche in einem unbedämpften Raum für mehr Räumlichkeit sorgen.


So würde eine ideale "wohnliche" 6.1 Anordnung aussehen, diese besteht aus 3 Dipolen im hinteren Bereich. 4 Dipole wären nicht sinnvoll, da man dann bei min. 2 Dipolen nicht in der "mitte" sitzen würde, und auch Direktschallanteile hörbar werden würden. Mit 3 Dipolen hinten erreicht man die beste Räumlichkeit mit geringstem Lautsprecheraufwand. Vorallem ist so eine Anordnung perfekt geeignet für die derzeit verbreiteten ES/EX Filme, aber auch normale 5.1 Filme würden so sehr gut klingen. Vorn eine akustisch transparente Leinwand, damit der Center an der bestgeeignesten Positon ist, und damit vorallem der Center genauso aussehen kann und platziert werden kann wie die Frontlautsprecher, wodurch eine deutlich bessere Homogenität erreicht wird.
Zwei Subwoofer deshalb, um die querverlaufenden Raummoden zu eleminieren (welche sonst für einen Hörplatz in der Mitte hinterlich wären).



Hier ein perfektes Surroundsystem, ein IOSONO in einem reflektionsarmen, raummodenarmen Raum, wobei dennoch die Subwoofer als Double Bass Array angesteuert werden (welches auch in einem runden Raum sehr gut realisierbar ist).


Zusammenfassung

Für eine möglichste gute Heimkinowiedergabe empfiehlt es sich, mehrere gleiche Lautsprecher zu nehmen, welche nicht sonderlich groß sein brauchen und eine geschlossene Bauweise haben. Diese Lautsprecher werden alle als „klein“ im Receiver definiert und bei einer Frequenz getrennt, welche möglichst etwas über der zweiten Raummode (der kürzesten horizontalen Abmessung) des Raumes liegt, damit der Tieftonbereich durch das Subwoofersystem optimal wiedergegeben werden kann, und damit auch Tieftonsignale aus jeder Richtung gleich klingen.
Um ein geschlossenes Klangbild zu erreichen, bieten sich Dipole an, welche idealerweise an die Seitenwand neben dem Hörer kommen. Bei großen Räumen und guten Stellmöglichkeiten sind mit mehren (vielen) normalen Lautsprechern im hinteren Bereich allerdings die besseren Ergebnisse möglich.
Das Subwoofersystem sollte lieber etwas zu groß dimensioniert sein und besteht idealerweise aus mehreren (gleichen) Subwoofern, die für eine bessere Basswiedergabe sorgen.

Finanziell gesehen sollte dem Subwoofer die meiste Beachtung geschenkt werden, danach folgt das Lautsprecherset, dann der Receiver und dann der DVD Player.
Folgende Geldeinteilung ist in den verschiedenen Preissegmenten sinnvoll:

Subwoofer/Lautsprecher/Receiver/DVD Player
500-1000€: 40% / 25% / 25% / 10%
1000-2000€: 50% / 32% / 20% / 8%
2000-5000€: 40% / 40% / 15% / 5%
5000-20000€: 45% / 45% / 7% / 3%

darüber würden die Anteile für Receiver und vor allem für DVD Player noch weiter sinken. Selbst an einem 50.000€ Set würde ein 200€ DVD Player kein „schwaches Glied der Kette“ sein. Dass die Haptik dann vielleicht nicht mehr ganz passt ist eine andere Sache. Aber klanglich sinnvoll ist eine höhere Investition definitiv nicht. Nur wenn bereits seitens des DVD Players noch eine bessere Bildverarbeitung (upscaling) gewünscht ist, ist auch eine höhere Summe angebracht, hier sollte aber immer Kosten/Nutzen verglichen werden. Weil auch in der Bildqualität sind viele günstige Modelle sehr gut ausgereift.


Erstellt von: Robert Menger (Domaininhaber); letzte Aktualisierung: 21.03.2015
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